Vernissage des Foto- und Filmprojekts INSZENIERUNG

Jugendliche aus Afghanistan und Somalia präsentierten während der Vernissage stolz ihren Stop Motion Film „New life-new home“ (04:50 Min.), der im 2-wöchigen Filmprojekt im Rahmen der Kunsttherapie der Flüchtlingsambulanz entstanden ist. Unter Verwendung von Papierkünsten gewähren sie Einblicke in persönliche Geschichten in ihren Heimatländern, auf der Flucht und Wahrnehmungen in Deutschland.

Die sehr unterschiedlichen Fotografien experimentieren mit inszenierter Selbst- und Fremddarstellung. Der Mensch und seine Umwelt werden von den Künstlern aus Afghanistan, Somalia und Benin in Szene gesetzt und durch strategischen Bildaufbau fotografisch gekonnt umgesetzt.

Die Rauminstallation zum Thema lädt ein, Raum und Kunst durch das schwebende Wortspiel interaktiv zu erleben und eigene Assoziationen zu kontrastieren.

Die Ausstellung kann im EG und OG des Stiftungsgebäudes O 44, Martinistraße 52 besichtigt werden.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Sofie Silva Mella: 040-47 19 308 43 oder s.silva-mella@uke.de

Said, 17 Jahre, aus Somalia

Said ist seit 9 Monaten in Hamburg. Er geht auf eine Hauptschule in Billstedt und will in Kürze eine Ausbildung als Automechaniker anfangen. Sein Leben hat heute eine Perspektive. Said scheint auf den ersten Blick ein normaler Jugendlicher zu sein – wenn nicht eine lange Narbe über seine rechte Wange wäre, die uns etwas über seine Geschichte verrät.

In Saids Heimat Somalia wäre es nicht denkbar gewesen, einen Beruf zu erlernen. Dass dies heute möglich ist, verdankt Said einer Reise von über 10.000 Kilometer durch Äthiopien, den Sudan, Libyen und schließlich mit dem Boot nach Italien und von dort weiter nach Hamburg. Wie lange seine Flucht gedauert hat, kann der junge Somalier nur noch schätzen. Wahrscheinlich ist er knapp 2 Jahre unterwegs gewesen, um vor den Häschern der al-Shabaab zu fliehen.

Die Harakat al-Shabaab al-Mujahideenal-Shabaab oder kurz al-Shabaab ist eine islamistische militante Bewegung in Somalia. Al-Shabaab kontrolliert Teile Südsomalias und setzt dort eine strenge Auslegung der Schari’a durch. Ihr Ziel ist die Errichtung eines islamischen Staates am Horn von Afrika und die Beteiligung an einem weltweiten Dschihad. Die Organisation steht auf der Liste der durch das Außenministerium der Vereinigten Staaten ausgewiesenen terroristischen Organisationen im Ausland.

Said und sein Bruder wurden von diesen Terroristen gefangen genommen und sein Bruder getötet. Said konnte nach mehreren Monaten fliehen und sein Heimatland in Richtung Äthopien verlassen – zu Fuß und nur mit dem, was er am Körper trug. Durch kleine Jobs konnte er sich über Wasser und am leben halten. Nach ca. 60 Tagen erreichte Said den Sudan. Während der 2 Monate in diesem Land ging es auch knapp 3 Wochen durch die Sahara. Über eine Woche hatten Said und seine Begleiter nicht zu Essen und kaum Wasser. Aber irgendwie hat der junge Somalier das überstanden und das Land erreicht, das ans Mittelmeer grenzt und die Brücke zu Europa bildet: Libyen. Allerdings wurden die acht Monate in diesem Land zu einer echten Tortur. Said wurde geschlagen und auch noch das wenige Geld genommen, das er sich gelegentlich erarbeitet hat.

Am Ende hat Said es geschafft auf ein Flüchtlingsboot Richtung Italien zu kommen. Hier verbrachte er einen weiteren Monat in einem Flüchtlingslager. Ende 2013 kam er endlich nach Hamburg und hat einen Therapieplatz bei „Children for Tomorrow“ bekommen, um die vielen negativen Erlebnisse hinter sich zu lassen. Sein Leben hat durch diese Gespräche ein wenig Ruhe und ein Stück Normalität zurückbekommen. Ob er sich seine Wünsche einer Ausbildung erfüllen kann ist, offen. Da er keinen Pass besitzt, wird es eines Tages ein alles entscheidendes Gespräch mit den Behörden geben, die über Saids weitere Zukunft entscheiden.

Weltflüchtlingstag 2014

16.06.2014

Jeden Tag fliehen tausende Erwachsene und Kinder aus ihrem Heimatland vor Krieg, Bomben, Gewalt und Verfolgung. Nächsten Freitag (20. Juni) ist #WorldRefugeeDay. An diesem Tag soll an diese fast 44 Millionen Menschen gedacht werden, die zurzeit weltweit auf der Flucht sind – das ist ungefähr die Einwohnerzahl Kolumbiens und die höchste Zahl seit 20 Jahren!

Allein in Hamburg rechnen wir dieses Jahr mit einem Anstieg der Asylbewerber um 28 Prozent – 4.600 neue Flüchtlinge werden in unserer Stadt erwartet. Die Zentrale Erstaufnahme an der Sportallee ist bereits überfüllt und die Hamburger Behörden planen darum zusätzliche Containerdörfer, damit die Flüchtlinge nicht in Zelten leben müssen.

Fast 2.700 minderjährige Flüchtlinge leben in Hamburg. Knapp 800 können wir bei Children for Tomorrow jährlich psychotherapeutische Hilfe geben. Zum ersten Mal seit vielen Jahren können wir den steigenden Anfragen der Hilfesuchenden nicht mehr gerecht werden: Über 200 Kinder sind im Moment auf unserer Warteliste und täglich müssen wir neuen Hilfesuchenden, die auf einen Therapieplatz hoffen, absagen.

Bitte unterstützen Sie uns, damit wir neue Therapeutenstellen finanzieren und mehr Flüchtlingskindern die Chance auf eine gesunde Zukunft geben können.

Im Namen der Kinder bedanken wir uns für Ihre Hilfe.

Deutsche Bank spendet 200.000 Euro an Children for Tomorrow

Stifterin und Vorstandsvorsitzende Stefanie Graf konnte sich bei ihrem gestrigen Besuch in der Stiftung über eine große Spende für Children for Tomorrow freuen: Cornel Wisskirchen (li.) und Martin Renker von der Deutschen Bank überreichten ihr einen Scheck in Höhe von 200.000 Euro. „Im Namen der Stiftung und aller Familien und Kinder, für die wir uns stark machen, danke ich der Deutschen Bank für diese tolle Unterstützung“, bedankte sich Stefanie Graf. „Wir arbeiten weiter nachhaltig und mit aller Kraft daran, Flüchtlingskindern neue Chancen für eine bessere Zukunft zu geben.“

Children for Tomorrow unterhält in Hamburg auf dem Gelände des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf eine Ambulanz für Flüchtlingskinder, in der junge Flüchtlinge psychotherapeutische Behandlungen bekommen.

Vernissage BESONDERE MOMENTE

25.04.2014

Die Vernissage der Ausstellung “Besondere Momente” eröffnete an einem sonnigen 11. April vielen interessierten Gästen die Türen zur Betrachtung bewegender Fotografien von Jugendlichen aus Afghanistan und Somalia.

Junge Künstler aus dem Fotoprojekt veranschaulichen wie unterschiedlich die persönliche Bedeutung des besonderen Moments sein kann und wie vielfältig fotografische Inszenierung ist. Eindrucksvolle Begegnungen und Orte mischen sich genauso unter schmerzhafte Erinnerungen, wie unbeschwerte Stimmungen und farbenfrohe Frühlingsmomente.

So unterschiedlich die Motivwahl sein mag, so ist die Bildsprache aller Werke universell: sie berührt ohne Worte!

Die Jugendlichen haben sich bewusst entschieden, ihre Werke nicht zu betiteln. Jeder Betrachter solle so selbst entscheiden, welcher bedeutungsvolle Moment im Bild sichtbar und spürbar wird.

Die Fotoausstellung kann noch bis zum 09. Juli 2014 im EG und OG der Flüchtlingsambulanz, Martinistraße 52,
Gebäude Children for Tomorrow, O44 in Hamburg besucht werden.

Projektbesuch in Uganda

Der diesjährige Projektbesuch in Uganda – im 5. Jahr von Children for Tomorrow Uganda – war meine erste Reise zur Perle Afrikas.

Mein Name ist Catharina Voss, ich bin 26 Jahre alt und habe in diesem Jahr stellvertretend für Dr. Fionna Klasen die Projektleitung für CFT Uganda übernommen. Meinen Masterabschluss in Psychologie habe ich im letzten Jahr an der Universität Hamburg erlangt und möchte gerne in Zukunft im Bereich psychische Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen arbeiten.

In Uganda wurde ich herzlich von den Mitarbeitern in Gulu willkommen geheißen und konnte sie in ihrem Arbeitsalltag begleiten – sowohl in der Ambulanz als auch in den Schulen. In Gulu hat CFT fünf Mitarbeiter. Da ist zu nächst einmal unser leitender Psychiater Dr. James Okello. Er treibt vor allem in unserer Ambulanz die adäquate Versorgung von etwa 150 psychisch belasteten Kinder und Jugendlichen pro Jahr zwischen 0 und 21 Jahren voran. Unterstützt wird er dabei von Suzan, einer psychiatrischen Krankenschwester, zwei Psychologen, Patrick und Dorine, sowie Milly als unverzichtbare organisatorische Stütze.

Neben der Ambulanz ist das Schulprogramm in Gulu ein wesentlicher Teil unseres Projekts, welches sowohl Schülern als auch Lehrern das Thema „psychische Gesundheit“ näher bringt. Dies wird von Patrick in Zusammenarbeit mit Dorin durchgeführt und die Angebote sind abhängig vom Alter und Entwicklungsstand der Kinder und Jugendlichen, z.B. Kunsttherapie, sportliche Aktivitäten, oder Debattierklubs. Im letzten Jahr konnten wir ca. 400 Kinder und Jugendliche in den Schulprogrammen erreichen. Oberstes Ziel ist, die Stigmatisierung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Problemen zu reduzieren und Erklärungen für psychische Auffälligkeiten bei Menschen mit Kriegserfahrungen zu geben.

Eine Begegnung mit einem Patienten in der Ambulanz ist mir ganz besonders in Erinnerung geblieben: Der 16-jährige Rafael glaubte, von seiner Stiefmutter mit einem Fluch belegt worden zu sein. Er führte dies darauf zurück, dass er sich nach einem Besuch seiner Stiefmutter bei einem Medizinmann nicht mehr richtig bewegen konnte, keinen  Appetit mehr hatte und dem Leben insgesamt nichts Schönes mehr abgewinnen konnte. Unsere Mitarbeiter haben ihm verständnisvoll zugehört und ihm dann erklärt, dass es sich bei seinen Beeinträchtigungen um Symptome einer anerkannten und gut behandelbaren psychische Erkrankung – nämlich Depression – handelt. Der Tod zwei seiner Brüder im letzten Jahr, das erste  Kennenlernen seines Vaters und dessen gezeigte Ablehnung sowie das seiner Stiefmutter und der Verlust des Schulgeldes für ein ganzes Schuljahr haben Rafael sämtlichen Lebensmut genommen. Doch durch das bessere Verstehen seiner Symptome und die Annahme von Therapiemaßnahmen befindet er sich nun auf dem Weg der Besserung!

Frühlingserwachen: eine fotografische Erkundung!

18.03.2014

Blumenduft und Sonnenschein locken die Hamburger an das Ufer der Binnenalster – endlich beginnt der Frühling!

Den Jugendlichen aus dem Fotoprojekt wird eine attraktive Kulisse und Inspirationsquelle geboten. Zwischen Sonnenanbetern und Vögelzwitschern sind die jungen Fotografen den Frühlingsmomenten auf der Spur und die unbeschwerte Atmosphäre animiert zu ausgefallenen Inszenierungen. Fotografische Themen drehen sich um Wärme, Farben, Leichtigkeit und Werte wie Gemeinschaft, Zuneigung, Freundschaft und wecken in einigen Projektteilnehmern Hoffnung. Andere stimmt die lebendige Stimmung jedoch traurig und die Sehnsucht nach der Familie im Heimatland wird größer. Parwiz lächelt verlegen als er berichtet: „Ich mache eine Bildreihe mit dem Namen love is in the air!“

Zorah geht wieder zur Schule!

18.02.2014

Aus Angst vor Übergriffen durch die Taliban floh die 15-jährige Zorah* vor einem Jahr mit ihrer Familie aus Afghanistan nach Deutschland. Als Zorah hier in Deutschland ankam, traute sie sich kaum, ihr Zimmer in der Asylbewerberunterkunft zu verlassen. Seit sie in ihrem Heimatland von mehreren Männern auf dem Weg zur Schule vergewaltigt wurde, spürte Sie nur noch Angst und durchlitt Panikattacken. Ohne ihre Eltern einen Schritt vor die Tür zu machen, war undenkbar. Die Schule war seitdem ein Ort des Schreckens für sie. Allein das Wort „Schule“ ließ sie wieder die Todesangst von damals spüren, als die Männer sie packten. Sie zitterte dann am ganzen Körper und bekam kaum noch Luft.

Nach 4 Monaten regelmäßiger Psychotherapie in unserer Flüchtlingsambulanz in Hamburg traut sie sich jetzt erstmals wieder allein in einen Klassenraum voller fremder Menschen. „Auch wenn es schwer fiel, war das heute ein großer Sieg für mich“, sagt Zorah, als sie ihrer Therapeutin von ihrem Tag erzählte und dabei voller Stolz lächelte.

Moment!

Einmal inne halten… den Moment spüren und aufnehmen!

In einer Welt des schnellen Bildwechsels gehen Jugendliche im Fotoprojekt auf die Suche nach spannnenden Momenten und wirken dem chaotischen Straßenleben mit der Wiedergabe einer Standaufnahme entgegen.

Für jeden ist DER Moment ein anderer. Momentaufnahmen sind das Festhalten eines Augenblicks. Worin liegt der Unterschied zwischen willkürlichen Schnappschüssen und der bewussten Momentaufnahme? Besondere Momente fotografisch einzufangen erfordert höchste Aufmerksamkeit, die Hinwendung zum Detail. „Ich habe nicht gewusst, dass so viele Momente in einem Fotoprojekt sind.“ meint Mohamed. Reza fügt hinzu: „Und ein einziger Moment kann auch dein ganzes Leben verändern.“